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Presse CD:

 

Goldschmidt / Gerhard / Weill

     
American Record Guide
(Juli/August 2003)
  Kurt Weill began his Second Symphony in Berlin in 1933. When Hitler came to power, Weill fled to France, where he completed the work while enduring anti-Semitic demonstrations at performances of his music. The symphony combines sardonic wit, anger, sadness, and fear with his customary music-hall song and dance. (…)

Bruns's performance grabs you and never lets go. It emphasizes anger over elegance in I, rage over sadness in II, and bitter sarcasm over a hint at humor in III. Woodwinds dominate textures in a crystalline style akin to Stravinsky. Ensemble is tight and precise, with straight-on attacks and strict rhythm: listen to those strict and brittle string riffs. Bruns's vertical approach works because the notes radiate and tension never slackens. This kind of playing requires real concentration.

Very different is the recording of the Second with Michel Swierczewski leading the Guibenkian Orchestra from Lisbon on Nimbus. Swierczewski's orchestra is darker, with burnished string tone and elegance born of nostalgia more prominent than anger. If Bruns suggests Stravinsky's instrumental balances and Hindemith's militant rhythms, Swierczewski leans to a warm performance of a Mahler symphony. The opening string fanfare says it all: Bruns grabs us by the throat; Swierczewski slides in, suave and discreet. If Bruns gives us an angry, serious young man as he watches madmen steal his life and world, Swierczewski shows that man 40 years later, looking back with regret and buried anger at a scene through sepia-tinted glasses. (...)

Among other Seconds, Jansons (EMI, May/June 1999) softens Weill's bite but will do as a sad, Mahlerian "big symphony" approach. Nagano is OK but heavy-handed and not that interesting (Erato, mentioned more positively in July/Aug 1992). (...)

The Goldschmidt and Gerhard performances display the same fine qualities as the Weill. The upright spirit of neoclassical Hindemith hangs over all these pieces and performances.

     
Das Orchester
(April 2003)
  Gerade kleinere deutsche CD-Labels haben mutig Anschub geleistet, wenn es um die Wiederentdeckung von Werken ging, die im nationalsozialistischen Deutschland als "entartet" eliminiert wurden. Das gilt auch für die neue CD der Edition Abseits. Ihr Konzept ist reizvoll und überzeugend: Berthold Goldschmidt (1903-1996), Roberto Gerhard (1896-1970) und Kurt Weill (1900-1950) studierten in den 20er Jahren bei Berlins führenden Kompositionslehrern Franz Schreker, Arnold Schönberg und Ferruccio Busoni. Alle drei Werke waren von politisch-rassistischer Verdrängung betroffen und stehen im Falle Gerhards und Goldschmidts als CD-Ersteinspielungen gleichsam "neu" zur Debatte. Goldschmidts Suite op. 5, typisches para-symphonisches Werk jener Zeit, ging bald nach der Hamburger Uraufführung (1929) verloren. 1994 tauchte sie wieder auf - zum Entsetzen des Komponisten, der Teile daraus in späteren Werken neu verwertet hatte. Erst nach seinem Tode kam sie an die Öffentlichkeit - zum Glück: Sie weitet den Blick auf Goldschmidts (seit den 80er Jahren wieder entdecktes) Schaffen merklich: Ihr Spektrum reicht vom Pfitzner-Ton der Allemande über den schnoddrig-sachlichen Berliner Charme der Chaconne bis zur zerklüfteten, dissonanzgespickten, immer wieder ins Atonale kippenden Sarabande.
Unter Jürgen Bruns' Leitung spielt die Kammersymphonie Berlin all das mit Gespür für Atmosphäre und strukturbewusster Intelligenz.
Auch Gerhards Concertino for Strings op. 12 ging nach der Uraufführung verloren und war nur anhand eines Stimmensatzes zu rekonstruieren. Schönbergs Schule ist unüberhörbar, aber keine Fessel: Hinter der Konstruktion entfaltet sich eine fein gewobene, reich gegliederte, subkutan vitale Musik. Weills 2. Symphonie, sein letztes großes Instrumentalwerk (1933/34), schreibt, wie Malcolm MacDonalds instruktives Booklet betont, das Ideal "Junger Klassizität" (Busoni) nach eigenen Maßstäben fort. Symphonie-Traditionen zwischen Wiener Klassik und Brahms sind - wie hinter Milchglas - in neues freitonales Licht getaucht, werden seziert, aber nicht sterilisiert. Songartige "lyrische" Themen sorgen für Stil-Irritationen; die Gratwanderung zwischen symphonischem Elan und symphonischer Distanz führt zu einem unverwechselbaren Ergebnis. Abgesehen von kleinen Rest-Unschärfen garantieren Bruns und die Kammersymphonie Berlin auch hier fesselndes, präzises Musizieren und holen die Werke erfolgreich aus dem Abseits. Sehr empfehlenswert!
Michael Struck
     
nmz
(September 2002)
  Prägnant knackig
Zum ersten Mal wurden hier zwei Berliner Frühwerke von Komponisten eingespielt, die später von den Machthabern ins englische Exil getrieben wurden und erst gegen Ende des Jahrhunderts vor einer breiten Öffentlichkeit einigermaßene Würdigung erfuhren (Gerhard war zu diesem Zeitpunkt längst tot).
Berthold Goldschmidts Suite op. 5 entstand 1927 (nach der bekannten Passacaglia für Orchester). Der Schreker-Schüler hat, wie sein Lehrer in einigen Orchesterwerken, zu einer "Neuen Klassizität" gefunden, wie diese von Tiessen und Busoni gefordert worden war. Die handwerkliche Meisterschaft ist beeindruckend, der Ausdruck ist von großstädtisch-lakonischer Eigentümlichkeit, in seinem kaleidoskopischen Bedarf von prägnanter, knackiger Motivik zusammengehalten. Besonders beeindruckend: die stockende Sarabande und die druckvolle Dichte der Chaconne.
Roberto Gerhards Concertino für Streicher, entstand 1927-28 gegen Ende der Studienzeit mit Schönberg, war wie Goldschmidts Opus lange verschollen. Ursprünglich als "3. Streichquartett" (die zwei ersten sind nicht erhalten) komponiert, entfaltet der große Katalane, der bis heute als einer der unterbewertetsten Avantgardisten aller Zeiten gelten muss, einen immensen Reichtum des Ausdrucks in elaboriertem, freitonal durchempfundenem Satz. Eine großartige Entdeckung: das zentrale Andante espressivo!
Die Parallelen, die von Goldschmidt zu Schostakowitsch und Eisler oder von Gerhard zu Bartók und Skalkottas gezogen werden, sind verständlich auf der Suche nach Ähnlichem. Beider Musik ist von hoher Originalität, wie auch Kurt Weills 1933 entstandene, im Miteinander von Existentiellem und Lässigem liedhaft durchwobene, anspruchsvolle 2. Symphonie - hier sollte noch im selben Jahr der Schwede Dag Wirén mit seiner Sinfonietta anknüpfen.
Alle Werke sind technisch teilweise erhebliche Herausforderungen, und man muss Jürgen Bruns und seinen Mitstreitern für die durchsichtige, stilbewusste, von einigem Elan und rhythmischen Drive geprägte Darstellung dankbar sein - besonders, wenn man bedenkt, dass heute mehr als drei Tage Studio nicht mehr drin sind für eine komplette CD-Aufnahme. Exzellent ist das reich bebilderte Booklet mit einer umfassenden Einführung von Malcolm MacDonald.
Christoph Schlüren
   


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